Archiv für die Kategorie „Sport und Wein“
Web 2.0 Pause
Nach einer kleinen Web 2.0 Pause möchte ich wieder etwas mehr von mir hören lassen. Web 2.0 Pause heißt nicht das ich komplett untätig war sondern, das einfach viele andere Dinge des alltäglichen Lebens einfach vorrang hatten. Leckere Weinchen habe ich trotzdem genossen und Sport habe ich selbstverständlich auch gemacht. Ja der Winter, vielerorts immer noch nicht vorbei und selbst heute am 11.04 hat das Thermometer keine Lust die 10 Grad Marke zu überschreiten. Hier am Ort des Pinot_day 2010 lagen in den letzten Monaten Unmengen von Schnee was einem alten Skilanglauffan wie mir nicht ungelegen kam. Mehr als 350 Skikilometer habe ich rund um den heiligen Berg (Dünsberg) absolviert, es war göttlich. Jetzt sehne ich mich aber nach Wärme und Sonne. Nun aber zu den Weinerlebnissen der letzten Monate.
1. Pinot spricht deutsch
Sicherlich war PSD das Highlight der letzten Monate. Werner Elfleins Verkostung der besten Pinots aus dem deutschsprachigen Raum war ein perfekt organisiertes Event. Besonders interessant war die Teilnahme des Gasttrinkers Gerhard Stodden. Die treffende Art Stoddens Pinots in ihrer Stilistik und Eleganz zu beschreiben bereicherten diese Verkostung in jeglicher Hinsicht. Auf die gesamt Liste der verkosteten Weine möchte ich nicht noch einmal eingehen hierzu hat der Weinfreund Marco Datini alias @marcodatini schon einiges verfasst lesen Sie hier. Dennoch möchte ich nicht unerwähnt lassen wie monumental die beiden Pinots aus dem Jahre 97 und 06 (lange Goldkapsel) von Stodden waren. Mein Sieger war aber der 2005er *** Graacher Himmelreich von M. Molitor ein Wein der in meinen Augen das Potential hat in einigen Jahren über allen Dingen zu stehen.
2. Clos Rougeard Saumur Brézé 2001
Mit diesem Wein verabschiedete sich unser lieber Drunkenmonday Freund Paul Trauszkowski aus Giessen und zog in Richtung München von Dannen. Eigentlich hatte Paul gesagt, man solle besonders diesen Wein im Kühlschrank lassen aber irgendwie hatte ich den Namen nicht richtig verstanden und aus versehen den Korken entfernt
)). Ein Missgeschick, welches ich bis dato nicht bereut hatte — Bisher konnten meine Geschmacksknospen nichts vergleichbares in ihren Breitengraden verkosten. Wow so kann also Chenin Blanc schmecken tief, elegant, rauchig und voller kalkiger Mineralität. Wer diesen Wein verkostet hat, weiß was animierend heißt. Niemand käme auf den Gedanken ein derartige Geschmacksexplosion aus Honig, Quitten und gelben getrocken Früchten und Fenchel auszuspucken. Wir waren uns einig dieser Wein passt in kein Bewertungsschema, er ist einzig.artig. ! Wenn jemand auf der Suche nach dem heiligen Graal der Weißweine ist, dann sollte er diesen Wein probieren vorausgesetzt er bekommt ihn.
3. Kulüp 2003 – ein türkischer Weißwein
Um dem abartigen Wetter in Deutschland zu entgehen buchten wir einen Urlaub der all incl. Methode last Minute – made in Turkey. Kurzum eine Woche Sonne pur und um gar nix kümmern. Ich hätte nicht gedacht gefallen an dieser Art Urlaub zu finden. Der Klub Asteria in Belek ist in jedem Fall eine Empfehlung wert, für all diejenigen die mal richtig ausspannen wollen. An Wein denkt man da erst im dritten Gedanken aber immerhin habe ich mir einen Weißwein gegönnt. Ganz in all-incl. Mentalität bestellte ich einen Weißwein, der keinen Aufpreis kostete. Serviert wurde ein Kulüp 2003 gekeltert aus der Sultana Traube woraus auch Raki gemacht werden soll. In der Nase stellten sich Apfelweinaromen gepaart mit Latschenkiefern ein . Na das kann ja nur besser werden und in der Tat präsentierte sich ein durchaus trinkbarer weicher Weißwein der an der Luft gewann. Am Gaumen getrocknete Trauben mit etwas Honig- und Apfelweinaromen. Sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig aber zu dem chinesischen all.incl Sondermenü konnte er durchaus gefallen.
Fortsetzung folgt!
Kozlovic Muskat Momjanski 2008
Im vergangen Sommer besuchte ich Gianfranco Kozlovic in seinem Weingut in der Nähe von Buje (Kroatien). Als Kroatien Fan, ich sage mal lieber Istrien Fan bin ich hier regelmäßig auf der Suche nach kulinarischen Schätzen, die hier in großer Fülle gehoben werden wollen. Die Landschaft erinnert mich sehr stark an die Toskana und die Menschen sind sehr traditionell mit ihrer Heimat verbunden.
Der Muskat Momjanski ist eine echte Rarität unter den mehr als 200 Muskatellersorten. Der Winzer Gianfranco Kozlovic baut seinen unweit von Momjan wurzelnden Muskat mit leichtem bis mittlerem Restzuckergehalt aus und vinifiziert unter anderem einen halbsüßen Dessertwein, der deutlich nach Honig und ganz zart nach getrockneten Holunderblüten duftet. Das obligate Muskataroma ist dabei angenehm dezent und wird von einem derart animierenden Säurespiel unterstützt, dass man zu zweit schon mal eine ganze Flasche weg trinkt, was bei einem Wein dieser Machart ja eher ungewöhnlich ist. Selten habe ich eine solch animierenden Muskateller getrunken wie den von Kozlovic.

Die Taufsteinhütte – eine kulinarische Reise in den Vogelsberg
Es wurde langsam auch einmal Zeit, meinen Freund Jürgen Carnier im hohen Vogelsberg zu besuchen. Jürgen führt seit 1993 das – über die Grenzen des Vogelsbergs hinaus – bekannte Restaurant Taufsteinhütte. Die Taufsteinhütte liegt nur einen Steinwurf entfernt vom Ausflugsziel Hoherodskopf auf ca. 700 Meter Meereshöhe. Hier zaubert der gelernte Spitzenkoch zusammen mit seiner Frau Woche für Woche die köstlichsten Speisen. Die schwach besiedelte Region rund um den größten erloschenen Vulkan Europas hat touristisch einiges zu bieten, was nicht vielen bekannt ist. Meist an den Wochenenden sind die Sommerfrischler aus der Rhein Main Region hierher unterwegs, um zu Wandern, die Sommerrodelbahn hinunter zu rutschen und anschließend eine Bratwurst zu essen. Nur einige verlaufen sich an die hinter Tannen versteckte Taufsteinhütte und wissen meist nicht, welche kulinarische Leckerbissen hier im Verborgenen schlummern. Doch ein erfahrener Gourmet bemerkt schnell, dass hier hinter der gutbürgerlichen Fassade ein beinahe Sternekoch sein Handwerk ausübt. Auch die Weinfreunde kommen hier voll auf ihre Kosten, von Huber bis Knipser findet hier jeder etwas passendes für jeden Gang.
Am vergangenen Wochenende gab es etwas zu feiern und da Schnee in den Höhenlagen angekündigt war, wollten wir als Skifreunde ein Wochenende auf der Taufsteinhütte verbringen. Schnee gab es zwar keinen, aber dafür ein exzellentes Menü.
Das Menü
Bunte Blattsalate vom herbstlichen Markt
mit gebratener Gänseleber und Feigenconfit

Seeteufelmedaillon im Schinkenmantel
auf Puylinsen und Safrangnocchi
Lauchstroh

Pflaumensorbet mit Slivovitz
Rinderfilet mit Cafe de Paris Butter gratiniert
Kartoffelgratin und Bohnenbündel
Dessertvariation
Parfait, Sorbet und Mousse, Fruchtsalat

Web App Iphone – Riesling Script
Die Web – Application des Rieslings Scripts ist nun fertig. Alle Besitzer eines Iphones können nun das Wein Script ganz bequem nutzen, ohne viel zu verkleinern oder zu vergrößern. Außerdem habe ich auch ein entsprechendes Icon gebastelt, um die App schneller zu finden.
Installation auf dem Iphone
1. Klicken Sie auf diesen Link sw-script.
2.auf das + über dem Home – Button klicken.
3. Zum Home-Bildschirm auswählen
4. Benennen und Hinzufügen wählen
Ihrem Home Bildschirm wurde nun das SW – Logo hinzugefügt. Sie können nun die App. starten und die Daten eingeben. Haben Sie alles ausgefüllt klicken sie auf erstellen. Es wir eine Grafik erstellt. Tippen Sie nun mit einem Finger auf diese Grafik bis Bild sichern oder kopieren erscheint. Sichern Sie nun diese Grafik und schicken Sie eine mail bsp. an ihr posterous oder an twitter.
Viel Spaß
Weine bewerten
Verkostungsnotizen erstellen erfordert viel Erfahrung und sensorische Sensibiltät. Nach den Notizen eine Bewertung abgeben ist oft eine Bauchentscheidung. Probieren Sie einfach einmal dieses Script aus und testen Sie ob ihr Bauchgefühl dem Ergebniss des Scripts nahe kommt. Viel Spass beim testen.
Hier ein Beispiel:

Johner Spätburgunder vom Kaiserstuhl 2007

Johner Spätburgunder Kaiserstuhl 2007 (runners_class) 04.11.09
Farbe: dunkles rot durchscheinender Kern
Nase: kräutrig, etwas gekochte Erdbeere, altes Mazipan
Am Gaumen: runde Tannine, rote Früchte, saftig,fleischig, dezentes Holz
Abgang: lang anhaltende angenehme Kräuteraromatik
Gedanken: wird sich noch etwas entwickeln – jetzt aber schon schön zugänglich, toller Alltagswein
Südtirolreise 2.Teil – Besuch bei Franz Oberhofer (Weingut Hofstätter)
Wenn man sich auf eine Südtirolreise begibt, um die besten Pinot Noir Produzenten der Region zu besuchen, dann darf ein Name auf keinen Fall fehlen – Hofstätter. Warum? Zum einen hängt dies sicherlich an der gewachsenen Familientradition des Hauses Foradori, die sich seit vier Generationen in erster Linie mit Pinot Noir beschäftigt. Zum anderen ist sicherlich das Terroir verantwortlich, auf dem der beste Pinot Noir Italiens wächst. Es ist die Lage der Villa Barthenau bei Mazzon oberhalb von Neumarkt. In mühsamer Kleinarbeit wurden die bestehenden Blauburgunder-Rebbestände durch jahrzehntelange Selektion und Neuanpflanzungen nach französischem Vorbild zu dem gemacht, was sie heute sind. Ein ehrgeiziges wie auch mustergültiges Beispiel dafür, was man alles tun muss, um einen großen Pinot Noir zu keltern.
Vor mir sitzt Franz Oberhofer Chefönologe beim Weingut Hofstätter. Vertieft in eine interessante Diskussion zum Thema Pinot Noir, Burgund und Südtirol verkosten wir zusammen die Pinots des Hauses. Franz Oberhofer ist ein ausgesprochen sympatischer Mensch, der voller Überzeugung zu seinem Produkt erklärt, worauf es ihm bei der Erzeugung seiner Pinots ankommt. Er macht kein Hehl daraus in Zukunft mit dem Flagship Pinot Noir San Urbano in die Phalanx der besten Pinots der Welt vordringen zu wollen.
Doch was Hofstätters Blauburgunder wirklich sind, zeigt sich erst so recht unterhalb dieses Top-Produktes, dem natürlich die ganze Aufmerksamkeit der Fachpresse gilt. Seit vielen Jahren erzielen aber die Hofstätters nicht nur mit ihren Top Produkt die beste Bewertung Italiens (die drei Gläser). Nein, auch der “einfachere” Blauburgunder Riserva »mazzon« (nicht von der Lage S. Urbano, aber ebenfalls im Barrique ausgebaut), verweist in der Konstanz seiner Qualität die anderen Südtiroler Blauburgunder auf die Plätze. Unterhält man sich mit anderen Winzern Südtirols, so ist es sicherlich kein Geheimnis an welchem Weingut man sich im Bezug auf Blauburgunder orientiert.
Es war mir eine besondere Ehr mit Franz Oberhofer Fachsimpeln zu dürfen, wenn die Zeit auch knapp war. Besonders erfreut war ich darüber, dass das Weingut Hofstätter den Pinot day 2010 mit seiner Pinot Palette unterstützen möchte. Oberhofer findet die Idee des Pinot Days sehr spannend und wird als ehemaliger Sportler ein Auge darauf haben, wie sich dieses Event entwickeln wird. Die Verkostungsnotizen der Hofstätter Pinots werden demnächst hier erscheinen.
Twittagessen: La Villa Rüsselsheim
In wunderschönem Ambiente fand am 24.10.09 das “Twittagessen” statt. Ich sage bewusst das “Twittagessen”, da es sicherlich das größte seiner Art bisher war. Mehr als 30 Twitterer fanden sich in der Villa in Rüsselsheim ein, um dem besten italienischen Kochs Hessens über die Schultern zu schauen. Fünf kochbegeisterte Twitterer durften den ehrwürdigen Padrone Mimmo beim Zubereiten eines brillianten 4 Gänge Menüs tatkräftig unterstützen. Mimmo verwendet nur die besten Zutaten, die er nicht selten aus seiner Heimat Friaul nach Rüsselsheim senden lässt. Es war ein sehr lehrreiches und traditionsbewusstes Mitkocherlebnis.
Ab 14 Uhr fand sich dann, die überwiegend aus “Wein-Twitterern” bestehende Gesellschaft ein. Mimmo hatte nur die allerbesten Weine aufgetischt, die passend zu jedem Gang serviert wurden. Bis dato hatte ich noch nie so exklusive Weine in einem Restaurant genießen dürfen. In Anbetracht dieses Weinangebotes und der Zutatenqualität waren die 40 Euro, die jeder Teilnehmer zahlen musste, nur eine Spende. Vielen Dank an Mimmo und sein Team, dass ihr uns so verwöhnt habt. Bildergallerie
Weinreise Südtirol 1. Teil – Besuch bei Franz Haas
Auf der Suche nach weiteren Partnern für den Pinot Day führt mich die erste Station der Südtirolreise zu Franz Haas nach Montan. Montan liegt direkt vis a vis der besten Pinot Noir Lage Südtirols “Mazzon”. Ich wurde von den charmanten Angestellten des Weingutes herzlich empfangen und war schon sehr gespannt auf einen der bedeutendsten Pinot Produzenten Südtirols. Schon kurz darauf erschien Franz Haas in Arbeitskluft – wohl etwas nachdenklich darüber, welche Person aus Deutschland denn da eine persönliche Führung von ihm wollte. In einem kurzen Gespräch erklärte ich dem schnurrbärtigen Weinperfektionisten wie ich den Pinot Day 2009 erlebte und war erleichtert, so etwas wie schmunzelnde Begeisterung in seinen Gesichtszügen erzeugt zu haben. Aus dem Gespräch entwickelte sich eine sehr interessante Diskussion rund um Pinot Noir und die enttäuschenden Verkaufszahlen seiner Weine auf dem Deutschen Markt. Die Gründe nach dem Warum sind sicherlich zu vielschichtig, um sie hier im Detail zu besprechen. Ich möchte aber ein paar Stichworte aus dieser Diskussion nennen: 1. Wirtschaftskrise 2. Steigendes Niveau der deutschen Pinots 3. Preise der südtiroler Weine 4. Aldi 5. Fehlende Präsenz 6.Unbefriedigende Vertriebsstruktur.
Nach unserem sehr interessanten Einstiegsgespräch kamen wir nun zum wesentlichen Teil: den Pinots von Franz Haas. Eine Frage brannte mir da schon sehr lange auf meiner “Pinotseele”: Woher kommt der Name “Schweizer” auf den Etiketten seiner Top Pinots. Eine Lagenbezeichnung konnte es ja nicht sein. “Das war ein purer Zufall”, so Haas. In seinem Lieblingsrestaurant trafen er und seine Frau zufällig einen sehr bekannten Künstler namens Schweizer. Franz Haas hatte schon lange die Idee, neue Etiketten entwerfen zu lassen und so fragte er kurz ob Schweizer bereit sei, diese für das Weingut Haas zu entwerfen. Verblüffender weise legte Schweizer sofort im Restaurant los und nach wenigen Minuten war der erste handsignierte Entwurf fertig. Letztendlich gab es nun einige Etiketten, die nun die Signatur “Schweizer” trugen, andere aber nicht. Ein Kunde gab dann einige Bestellungen auf und sagt er wolle drei normale Rote und drei “Schweizer”. So entstand also zufällig die nun verwendete Bezeichnung “Schweizer” für die Selektionen von Franz Haas.
Haas stellte mir im Anschluss seine 07er Pinots vor, die gerade abgefüllt worden waren. Der “einfache” Pinot Noir 07 ist sehr fruchtbetont ausgebaut und strotzt gerade so vor roten Beeren und Würze. Ein richtiges Maul voll Wein, süffig, elegant, nicht kompliziert, aber einem sehr langen, spannenden Finale. Für mich ein genialer Pinot, der einfach nur schmeckt und nach mehr verlangt. Mein Opa sagte immer: “Er schmeckt nach Ozean” – nach mehr
). Es ist ein Pinot, den man jetzt trinken sollte, denn er macht jetzt Spaß. Franz Haas hat es wunderbar geschafft, die typische Pinotfrucht sehr deutlich herauszuarbeiten. Der Wein hat sicherlich kein großes Potential und ist auch nicht so feingliedrig und tiefgründig wie die Meditationspinots aus Burgund, schmeckt aber enorm lecker. Er ist aber in keinem Fall vergleichbar mit einfachen fruchtigen Einstiegspinots, das möchte ich deutlich betonen. Die Besonderheit dieses Weins ist der Stelvin Verschluss, der hervorragend ins Bild dieses Weins passt. Angefangen vom stylischen Etikett bis hin zum grandiosen Geschmack. Ein runder Wein ohne Ecken und Kanten, dass Iphone unter den easy drinking Pinots
).
Das war die Pflicht, jetzt kommen wir zur Kür – dem “Schweizer” 07 von Franz Haas. Beim Öffnen der Flasche machte Franz Hass einen etwas geknickten Eindruck, da er selbst nicht sehr zufrieden mit dem momentanen Zustand dieses Weines ist, der in seinen Augen aber eigentlich ein sehr großer Wein werden sollte. In der Tat wirkte er so, als hätte er sich etwas in sein Schneckenhaus zurückgezogen, weil der Mann an der
Abfüllmaschine schlimme Fratzen zog. Die Nase dieses Pinots ist zurückhaltender als die des Einstiegsweins, was aber bei einem jungen Pinot nicht verwundert, der mit viel Potential ausgestattet ist. Am Gaumen Anklänge von Wildkirschen, Pflaumen und Kräutern, sehr filigran, weich und enorm elegant. Der Wein lässt aber bisher nur erahnen, welche große Zukunft er noch vor sich hat. Haas geht hart mit sich ins Gericht, was zeigt mit welchem Ehrgeiz dieser Mann bei der Sache ist. Kein Mann der protzt, sondern einer der fast schon mit religösem Eifer im Weinberg und im Keller das Maximum herausholen möchte. Ich bin mir sicher, dass dieser Wein erst nach einem Jahr Flaschenreife zeigen wird, in welche Richtung es gehen wird. Zum Pinot Day wird dieser Wein sicherlich einer der besten Pinots sein, dessen bin ich mir ganz sicher. Ja, ihr habt richtig gehört: Franz Haas wird zwar nicht persönlich kommen, aber Pinots von ihm werdet ihr auf jeden Fall probieren können.
Franz Haas möchte ich als Visionär bezeichnen, der nach einem Wein von Weltformat strebt. Bei Haas sind Visionen realistisch. Die Wege, die er jetzt schon beschreitet, sind eigen, dass merkt man an der Art und Weise wie er sich mit den Stelvin Verschlüssen auseinandersetzt und Italienischen Weingesetzten strotzt. Diese untersagen es nämlich, Weine in Höhen oberhalb 800 Metern anzubauen. Aber Haas will höher hinaus – in jeglicher Hinsicht. Es war hoch interessant, diesem Mann,der vor Ausstrahlung und Kompetenz nur so strotzt, zu begegnen. Aber nicht nur seine Pinots sind groß, auch seine Cuvee´ “manna” und sein Sauvignon Blanc “Schweizer” 07 wissen in jeglicher Hinsicht zu überzeugen.
Präsentation der Großen Gewächse 2008
Am vergangenen Wahlsonntag wurden im Kloster Eberbach, bei bestem Sonnenschein die ersten Gewächse der bedeutendsten deutschen Winzer vorgestellt. Als Pinot Freund habe ich mich natürlich in erster Linie diesen Gewächsen gewidmet. Hier wurden anders als bei den Weißweinen die Jahrgänge 2006 bzw. 2007 vorgestellt. Sicher wurden hier viele der ganz großen Deutschen Spätburgunder vorgestellt, man kann aber nicht behaupten, dass im ehrwürdigen Klostersaal nur die Elite Deutschlands am Start war. Dies hängt schlichtweg daran, dass sehr viele exzellente Spätburgunder nicht in den ausgeschriebenen Grand Cru Lagen der VDP gedeihen. Zu den besten Pinots im Lande zählen sicherlich auch August Kesselers Höllenberg, Molitors Graacher Himmelreich und Patrick Johners Steinbuck, um hier nur drei weitere meiner Favoriten zu nennen. Nun aber zu den Pinots, die man in den heiligen Hallen probieren konnte und das war teilweise aller erste Sahne. Beginnen möchte ich mit den Highlights der Ahr.
Ahr
Stodden mit dem “Rosenthal” 07 und Kreuzberg mit dem “Schieferlay” 07 präsentierten für mich persönlich die überzeugendsten Gewächse der Ahr. Sie zeigten bereits schon jetzt eine vollmundige Frucht und traumhafte Eleganz gepaart mit der grandiosen ahrtypischen Mineralität. Adeneuers “Gärkammer” für mich im letzten Jahr (06) der Gewinner, präsentiert sich würzig und beeindruckend feingliedrig ist aber noch zu verschlossen, um zu erahnen wohin hier die Reise noch gehen kann. Gleiches gilt für Stoddens vor Kraft und Tiefe strotzenden “Herrenberg” 07, der mächtig konzentriert daherkommt und sein ganzes Potential sicher erst in 10 oder mehr Jahren ausspielen kann.
Baden
Außer dem Weingut Salwey und Dr. Heger konnten für mich die roten badischen Pinot´s nicht überzeugen. Ganz anders präsentierten sich für mich die weißen Burgundersorten, allen voran der Graue Burgunder “Winkelberg” des Weingutes Stiegler. Selten zuvor habe ich einen solchen vor Frucht, Schmelz und Mineralität strotzenden Grauburgunder getrunken. Ich hätte gleich einen ganzen Eimer sau….. können, was nicht heißt, dass dies ein typischer internationaler weißer Holzburgunder ist, wie ich sie liebe. (zu meiner Schande!) Nein ganz im Gegenteil, er ist warmherzig und weich und das ohne den typischen Holzgeschmack oder kaltes Stahl. So muss ein Wein schmecken meine Herren(Damen). Auf gleicher Ebene aber deutlich internationaler bewegt sich Salweys “Eichberg” Grauer Burgunder. Hier hat eine längere Maischestandzeit dem Wein ganz viel Charakter gegeben, auf den er Stolz sein kann. Das Holz steht diesem Wein hervorragend, es tritt ohne Kitsch und Tratsch zutage.
Rheinhessen
Das die Rheinhessen in der Bundesliga spielen, wissen wir nicht erst seit Mainz 05 gibt. Aber was der Meister Gutzler da in die Flasche gezogen hat ist allergrößtes Geschmackskinotheater. Der “Morstein” Spätburgunder 07 passt so ganz in das Geschmacksschema wie ich mir einen großen Pinot vorstelle. Volle (tomatensaftige)Frucht und Würze mit nicht enden wollender Länge. Sicher werden nicht alle dieser Meinung mit mir teilen aber Pinots müssen schmecken und nicht anstrengend und kompliziert sein, denn ich komme schließlich vom Dorf
). Dieser Wein macht einfach Spass und das sicher auch noch mehr als 10 Jahren, so muss ein Pinot sein. Geistig leigen davon schon einige Flaschen in meinem Keller. Ach ja Keller, der war auch nicht da.
Rheingau
Hier ist die Tür noch zu und ich glaube auch nicht, dass hier noch ganz viel passieren wird. August wo bist du…… Die Präsentation der ersten Gewächse wird sicherlich nicht dem ganzen Potential der im Rheingau gekelterten Pinots gerecht. Hans Lang und August Kesseler können da deutlich mehr.
Pfalz
Der erste Knipsert das Licht an und Rebholz macht es wieder aus. Die Pfalz hat eine großen Star und der feiert “Im großen Garten” seinen Winzer des Jahres und das mit recht. Ich habe fertig. Viel besser kann man in Deutschland einen Spätburgunder nicht machen, mit Gutzlers ” Morstein” für mich der beste Pinot.
Franken
Hier steht einer über Allem, wie es sich halt für einen Fürsten gehört. Der “Centgrafenberg” vom Weingut Fürst ist sicher der feingliedrigste und eleganteste der deutschen Pinots. Ich würde sogar sagen, er ist der Franzose unter den Deutschen Spätburgundern. Ein ganz großer Wein mit riesigem Potential auf Jahre hin gesehen. Er verlangt seinen Schmeckern und Schlürfern einiges ab aber für einen Bursch vom Dorf einfach ein Nummer zu groß. Hier stoße ich an meine Grenzen und verneige mein Haupt vor einem großen Deutschen Wein.