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Radikon – ein besonderes Weingut am Collio

Bild 1Ich hatte vor wenigen Tagen die besondere Ehre das Weingut Radikon besuchen zu dürfen. Radikon das hört sich Radikal an und so ist dieses Weingut auch, was die Umsetzung biodynamischen Weinbaus angeht. Sasa Radikon führte mich durch die Weinberge und den Weinkeller des sehr kleinen aber feinen und sehr familiären Weingutes am Rade der italienisch, slowenischen Grenze. Während des ersten Weltkrieges fanden hier heftige Schlachten zwischen Italienern und Österreichern statt. Der Collio, wie sich diese Weinbauregion Friauls nennt, ist bekannt für außergewöhnliche Weißweine, die auf der Welt ihresgleichen suchen. Noch nie zuvor hatte ich Weißweine mit solch intensiven Aromen vorher verkostet.

Schon im Weinberg, sieht man mit welcher Hingabe und Präzision Radikons arbeiten. Sasa, Stanislav Radikons Sohn hat in Udine Weinbau studiert und das Handwerk von der Pike auf gelernt. Im Weinberg werden keinerlei Pestizide verwendet, nur Kupfer wird zur Bekämpfung von Schädlingen eingesetzt. Die Ertragsreduzierung ist extrem, nur 5 Reben pro Stock maximal z.B beim Merlot. Angebaut werden Ribolla Gialla, Pinot Grigio, Tokai, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Merlot.

sasaDer Ausbau der Weißweine erfolgt bei Radikon mit einer 3 monatigen Maischegährung, was man sonst nur von Rotweinen kennt. Die Extraktion ist extrem und so sehen Radikons Weißweine komplett anders aus, als alle anderen Weißweine, die ich bisher kannte. Die Farbe des Ribolla Gialla ist orangegelb. Die Weine sind intensiv duftend nach Organgenschalen, Sherry und Aprikosen. Nie zuvor hatte ich solch einen komplexen und extrem aromatischen Weißwein im Glas. Die jungen Jahrgänge befinden sich alle noch in den Fässern, denn ein echter Radion liegt mindestens 3 Jahre im Fass und lagert noch ein Jahr in der Flasche bevor er in den Verkauf kommt. Der Jahrgang 2008 , den ich aus dem Fass probieren konnte ist sehr flschentanninhaltig , extrem fruchtig, mineralisch und extraktreich. Der Jahrgang 2004 präsentiert sich weich, wuchtig und von einer enormen Komplexität.  Der älteste Jahrgang, der auf diese Weise gekeltert wurde (1995), ist ebenfalls noch sehr frisch und zeigt keinerlei Überreife. Radikons Weißweinen wird ein enormes Lagerungspotential vorrausgesagt.

Eine weitere Besonderheit bei Radikon sind die Flaschen, in welche die Weine abgefüllt werden. Die Flaschen haben schmalere Hälse und dementsprechend auch kleinere Korken, von besondere Dichte. Radikon sagte, es handele sich um miniaturisierte Magnumflaschen, in denen die Weine besser reifen sollen. Die Standardflasche bei Radikon ist nicht 0,75 l sondern nur 0,5 l. Die nächste Größe ist dann die 1l Flasche ebenfalls mit einem viel kleineren Korken. Radikons Weine werden in erste Linie in Italien verkauft aber auch in den USA sind die Weine der Friauler Edelwinery sehr gefragt.Ich kann nur jedem Weißweinkenner empfehlen einmal einen Radikon zu trinken, es ist ein ganz besonderes, wenn auch nicht ganz günstiges Geschmackserlebnis. Der Oslavia eine Cuvee aus Pinot Grigio, Sauvignon Blanc und Chardonnay ist ganz groß. Radikons Weine sind ungeschwefelt was ebenfalls sehr selten vorkommt, da die Weine bei der kleinsten Verunreinigung kippen könnten. Radikon verwendet keinen Schwefel, da er dem Meinung ist, dass durch Schwefeldioxid im Wein die B Vitamine zerstört werden. Das Fehlen von Vitamin B1 im Körper kann beispielsweise Diabetes und viele Allergien auslösen. Radikons Wein zerstören diese Vitamine nicht. Eine Grund mehr seine Weine zu trinken ;-) )

Der Besuch bei Radikons war sehr herzlich und familiär, wir kommen wieder.

Interview mit Alois Lageder

lagederDas Highlight aus weintechnischer Sicht war sicherlich das Interview mit Alois Lageder, einem Vorreiter des biodynamischen Weinbaus in Südtirol. Bekannt geworden ist das Weingut Lageder aber mit seinen hervorragenden Weinen allen vorran dem Löwengang Chardonnay der in den letzten 20 Jahren auf keiner Weinkarte der besten Restaurants der Welt fehlen durfte.
Die Lageders waren ursprünglich Wagenbauer die ihre Produkte in ganz Südtirol anboten und auf ihren Reisen nicht selten Wein transportierten. So wurden aus Wagnern Weinhändler, die nun in 5. Generation selbst Weine keltern. Insgesamt ist das  Niveau der Südtiroler Weine und der Winzer in den letzten Jahren enorm gestiegen und so wuchs die Konkurrenz in der unmittelbaren Nachbarschaft stark an. Lageder schlug neue Wege in Richtung Biodynamik ein und strukturierte in diesem Zuge sein Weingut komplett um.

1. Vertikalbauweise – schonendere Trauben- und Mostbehandlung durch die Vermeidung von Pumpenanlagen
2. Verzicht auf chemische Spritzmittel zur Schädlingsbekämpfung
3. Einsatz erneuerbarer Energien
4. Musikbeschallung zur Veränderung der Mikrostruktur der Weine (Testphase)

Alois Lagerder ist ein Mann mit Austrahlung, wie man sie von Bergsteigern oder Hochleistungssportlern kennt. Diese Aura ist im gesamten Betreib spürbar, egal ob man sich im Verwaltungstrakt befindet oder im Weinkeller. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und wäre gerne länger geblieben, um noch mehr  über seine Weinphilisophie zu erfahren. Ich bin mir sicher, das man in Zukunft wieder mehr vom Weingut Lageder sprechen wird. Sehr gespannt bin ich auf Lageders neue Weine, die rein biodynamisch hergestellt und Demeter zertifiziert wurden.

Das Interview:

SW:  Welchen Stellenwert hat biodynamischer Weinbau in Südtriol?

A.Lageder:  Bisher arbeiten neben dem Weingut Lageder nur wenige Betriebe biodynamisch. Das Weingut Manincor ist seit 2007 ebenfalls komplett zertifiziert und bringt nun die ersten Weine auf den internationalen Weinmarkt.

SW: Bisher habe ich noch keinen richtig guten Pinot Noir aus Südtriol getrunken. Südtirol gilt nicht als Spitzengebiet für Pinot Noir. Wie sehen Sie das?

A.Lageder: Da muss ich ihnen wiedersprechen. Südtirol bringt hervorragende Pinots hervor und ist in Italien der Spitzenreiter. Unser Pinot Noir Krafuss ist ein international anerkannter Spitzenburgunder, der sich nicht verstecken muss.

SW: Welchen Stellenwert hat Pinot Noir in ihrem Weingut?

A. Lageder: An erster Stelle kommen sicherlich die Hauptsorten Chardonnay, Weißburgunder, Cabernet und Vernatsch, gleich danach kommt aber schon der Blauburgunder (Pinot Noir).

SW: Wie gute stehen ihre Flagshipweine im internationalen Vergleich dar?

A. Lageder: Unsere Wein haben internationales Niveau. An erster Stelle steht sicherlich der Löwengang Chardonnay, der immer wieder auf internationalen Weinkarten zu finden ist. An zweiter Stelle rangieren der COR und der Löwengang Cabernet. An dritter Stelle steht momentan der Pinot Krafuss, der in Italien sehr gut ankommt. An vierter Stelle der Lagrein und an fünfter die Weißweincuvee Tannhammer aus den Weinbergen Terlans.

SW: Wie werden ihre Weine in Deutschland angenommen?

A.Lageder: Viele Jahre war Deutschland der wichtigste Abnehmer unsere Weine. Besonders in den 80er Jahren waren wir mit dem Löwengang sehr erfolgreich. Dies hat sich in den letzten Jahren stark verändert, sicherlich hat dies damit zu tun, dass in Deutschland wieder mehr deutsche Weine, welche ich sehr schätze, getrunken werden.

SW: Wieviel Prozent macht der Deutsche Markt aus?

A.Lageder: Wir exportieren 18 % nach Deutschland , 25% in die USA und 30% bleiben in Italien

SW: Machen Sie Experimente mit exotischen Rebsorten, oder arbeiten Sie nach dem Prinzip “back to the roots” Gutes verbessern?

A.Lageder: Wir fossieren schon seit 1985 beide Seiten und sind ständig auf der Suche nach besseren Lagen. Dem Klimawandel tragen wir natürlich Rechnung, denn der ist auch in Südtirol angekommen. Vor Jahren gab es in Margreid noch hervorragenden Riesling, dies ist nun so nicht mehr möglich. Vom Syrah, den wir viele Jahr stark fossierten, sind wir praktisch abgekommen, da die Traube schlichtweg zu empfindlich ist.

SW: Welcher ist ihr persönlicher Lieblingswein?

A. Lageder: Nun das wechselt öfters aber es geht nichts über einen hochklassigen Pinot Noir aus dem Burgund. Hier werde ich regelmäßig schwach und entdecke immer wieder neue Weine. Die Aromavielfalt des Burgunds ist phänomenal.

SW: Wie sehen Sie die Entwicklung der deutschen Weine und welchen Stellenwert haben Sie in Südtirol?

A.Lageder: Ich schätze den deutschen Riesling sehr hoch ein und begrüße das Bestreben der Winzer zur alten Stärke zurückzukehren. In Italien sind es aber eher die Weinkenner, die deutsche Weine genießen. Hier steht wiederum der Riesling ganz weit oben.

SW: Herr Lageder, treiben Sie Sport und  wenn ja welchen Stellenwert hat er in Ihrem Leben?

A. Lageder: Leider habe ich für Sport nur noch sehr wenig Zeit, was ich sehr bedauere. Wenn ich Zeit habe genieße ich die Südtiroler Berge mit einer ausgiebigen Skitour. Früher bin ich ganz regelmäßig Rennrad gefahren wie sehr viele dies in dieser Gegend tuen. Radsport und hier besonders der Straßenradsport faszinieren mich immer noch.

SW: Wie finden Sie die  Verbindung von Sport und Wein?

A. Lageder: Aus meiner Sicht spricht in Maßen sicherlich nichts dagegen. Alles was zuviel ist, schadet unserer Gesundheit, das ist mit dem Sport wie mit dem Wein.

SW: Ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview Herr Lageder!

A.Lageder: Ich wünsche ihnen noch viel Erfolg bei ihren Vorhaben, Alles Gute.

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Margreid, den 16.04.2009