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Weinreise Südtirol 1. Teil – Besuch bei Franz Haas

p1621Auf der Suche nach weiteren Partnern für den Pinot Day führt mich die erste Station der Südtirolreise zu Franz Haas nach Montan. Montan liegt direkt vis a vis der besten Pinot Noir Lage Südtirols “Mazzon”. Ich wurde von den charmanten Angestellten des Weingutes herzlich empfangen und war schon sehr gespannt auf einen der bedeutendsten Pinot Produzenten Südtirols. Schon kurz darauf erschien Franz Haas in Arbeitskluft – wohl etwas nachdenklich darüber, welche Person aus Deutschland denn da eine persönliche Führung von ihm wollte. In einem kurzen Gespräch erklärte ich dem schnurrbärtigen Weinperfektionisten wie ich den Pinot Day 2009 erlebte und war erleichtert, so etwas wie schmunzelnde Begeisterung in seinen Gesichtszügen erzeugt zu haben. Aus dem Gespräch entwickelte sich eine sehr interessante Diskussion rund um Pinot Noir und die enttäuschenden Verkaufszahlen seiner Weine auf dem Deutschen Markt. Die Gründe nach dem Warum sind sicherlich zu vielschichtig, um sie hier im Detail zu besprechen. Ich möchte aber ein paar Stichworte aus dieser Diskussion nennen: 1. Wirtschaftskrise 2. Steigendes Niveau der deutschen Pinots 3. Preise der südtiroler Weine 4. Aldi 5. Fehlende Präsenz  6.Unbefriedigende Vertriebsstruktur.

Nach unserem sehr interessanten Einstiegsgespräch kamen wir nun zum wesentlichen Teil: den Pinots von Franz Haas. Eine Frage brannte mir da schon sehr lange auf meiner “Pinotseele”: Woher kommt der Name “Schweizer” auf den Etiketten seiner Top Pinots. Eine Lagenbezeichnung konnte es ja nicht sein. “Das war ein purer Zufall”, so Haas. In seinem Lieblingsrestaurant trafen er und seine Frau zufällig einen sehr bekannten Künstler namens Schweizer. Franz Haas hatte schon lange die Idee, neue Etiketten entwerfen zu lassen und so fragte er kurz ob Schweizer bereit sei, diese für das Weingut Haas zu entwerfen. Verblüffender weise legte Schweizer sofort im Restaurant los und nach wenigen Minuten war der erste handsignierte Entwurf fertig. Letztendlich gab es nun einige Etiketten, die nun die Signatur “Schweizer” trugen, andere aber nicht. Ein Kunde gab dann einige Bestellungen auf und sagt er wolle drei normale Rote und drei “Schweizer”.  So entstand also zufällig die nun verwendete Bezeichnung “Schweizer” für die Selektionen von Franz Haas.

haasHaas stellte mir im Anschluss seine 07er Pinots vor, die gerade abgefüllt worden waren. Der “einfache” Pinot Noir 07 ist sehr fruchtbetont ausgebaut und strotzt gerade so vor roten Beeren und Würze. Ein richtiges Maul voll Wein, süffig, elegant, nicht kompliziert, aber einem sehr langen, spannenden Finale. Für mich ein genialer Pinot, der einfach nur schmeckt und nach mehr verlangt. Mein Opa sagte immer: “Er schmeckt nach Ozean” – nach mehr ;-) ). Es ist ein Pinot, den man jetzt trinken sollte, denn er macht jetzt Spaß. Franz Haas hat es wunderbar geschafft, die typische Pinotfrucht sehr deutlich herauszuarbeiten. Der Wein hat sicherlich kein großes Potential und ist auch nicht so feingliedrig und tiefgründig wie die Meditationspinots aus Burgund, schmeckt aber  enorm lecker. Er ist aber in keinem Fall vergleichbar mit einfachen fruchtigen Einstiegspinots, das möchte ich deutlich betonen. Die Besonderheit dieses Weins ist der Stelvin Verschluss, der hervorragend ins Bild dieses Weins passt. Angefangen vom stylischen Etikett bis hin zum grandiosen Geschmack. Ein runder Wein ohne Ecken und Kanten, dass Iphone unter den easy drinking Pinots ;-) ).

Das war die Pflicht, jetzt kommen wir zur Kür – dem “Schweizer” 07 von Franz Haas. Beim Öffnen der Flasche machte Franz Hass einen etwas geknickten Eindruck, da er selbst nicht sehr zufrieden mit dem momentanen Zustand dieses Weines ist, der in seinen Augen aber eigentlich ein sehr großer Wein werden sollte. In der Tat wirkte er so, als hätte er sich etwas in sein Schneckenhaus zurückgezogen, weil der Mann an der haassAbfüllmaschine schlimme Fratzen zog. Die Nase dieses Pinots ist zurückhaltender als die des Einstiegsweins, was aber bei einem jungen Pinot nicht verwundert, der mit viel Potential ausgestattet ist. Am Gaumen Anklänge von Wildkirschen, Pflaumen und Kräutern, sehr filigran, weich und enorm elegant. Der Wein lässt aber bisher nur erahnen, welche große Zukunft er noch vor sich hat. Haas geht hart mit sich ins Gericht, was  zeigt mit welchem Ehrgeiz dieser Mann bei der Sache ist. Kein Mann der protzt, sondern einer der fast schon mit religösem Eifer im Weinberg und im Keller das Maximum herausholen möchte. Ich bin mir sicher, dass dieser Wein erst nach einem Jahr Flaschenreife zeigen wird, in welche Richtung es gehen wird. Zum Pinot Day wird dieser Wein sicherlich einer der besten Pinots sein, dessen bin ich mir ganz sicher. Ja, ihr habt richtig gehört: Franz Haas wird zwar nicht persönlich kommen, aber Pinots von ihm werdet ihr auf jeden Fall probieren können.

Franz Haas möchte ich als Visionär bezeichnen, der nach einem Wein von Weltformat strebt. Bei Haas sind Visionen realistisch. Die Wege, die er jetzt schon beschreitet, sind eigen, dass merkt man an der Art und Weise wie er sich mit den Stelvin Verschlüssen auseinandersetzt und Italienischen Weingesetzten strotzt. Diese untersagen es nämlich, Weine in Höhen oberhalb 800 Metern anzubauen. Aber Haas will höher hinaus – in jeglicher Hinsicht. Es war hoch interessant, diesem Mann,der vor Ausstrahlung und Kompetenz nur so strotzt, zu begegnen. Aber nicht nur seine Pinots sind groß, auch seine Cuvee´ “manna” und sein Sauvignon Blanc  “Schweizer” 07  wissen in jeglicher Hinsicht zu überzeugen.