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Martin Schwarz Müller Thurgau 2007
Heute möchte ich einmal einen ganz außergewöhnlichen Weißwein und ein außergewöhnliches Weingut vorstellen. Martin Schwarz aus
Sachsen ist verantwortlich für dieses besondere Experiment neuer deutscher Weinkultur (NDWK). Ein (Edel)Müller Thurgau ausgebaut im Holzfass, der diesem Wein eine außergewöhnliche Fülle und Finesse beschert. Martin Schwarz ist eigentlich als Kellermeister im Schloss Poschwitz beschäftigt, darf aber mit Genehmigung seines Chefs Dr. Georg Prinz zur Lippe nebenbei eigene Kreationen in dessen Weinkeller keltern. Schwarz bewirtschaftet er seit 2002 rund 1,3 Hektar eigene Rebflächen, ausschließlich Steillagen in Diesbar-Seußlitz, Radebeul und Meißen.
Ein typischer Müller Thurgau ist der klassische leichte Schwiegermutterwein zum Sonntagstisch. Nicht so der Müller aus Sachsen made by Martin Schwarz, schon die Nase erinnert eher an einen Chardonnay, als an einen schlichten Müller Thurgau. Trotzdem hat es Schwarz geschafft diesen Wein nicht zu breit und fett werden zu lassen. Der Wein hat Schmelz ist würzig und besitzt am Ende doch einen kleinen Kick Säure, der ihm trotz Holzausbau zum idealen Essensbegleiter werden lässt. In der Nase hat man Aromen von Birnen und Sommerblumen. Am Gaumen hat man das Gefühl gerade in eine saftige Birne gebissen zu haben. Im langen Abgang florale Noten mit leichten Holzanklängen. Hier wird mit viel Liebe zum Detail eindrucksvoll demonstriert welches Potential in der oft verkannten Rebsorte Müller Thurgau steckt. Auch wenn der Wein mit 15 Euro kein Schnäppchen ist, so kann der 2007 er Müller Thurgau von Martin Schwarz eine willkommene Abwechslung für Fans im Holzfass gereifter Weißweine sein.
Gastverkoster bei den Drunkenmondays
Die Jungs vom Drunkenmonday sind eine Truppe geselliger Weinexperten, die sich regelmäßig alle zwei Wochen in Giessen zusammenfindet, um mit Wein über Wein zu philiosphieren. Außnahmsweise traf man sich dieses mal an einem Mittwoch zur Müller Thurgau Verkostung. Alle waren gespannt, welche besonderen Müllers die Teilnehmer auf den Tisch stellten.
Hier sind Sie ! alle Müllers nebeneinander entblößt und erleichtert

Achkarren, Lemler (Mittelrhein), Haas (Südtriol), Stahl, Zur Schwane, Juliusspital,Fürst (Franken) Pawis (Saale Unstruth) und Schwarz (Sachsen)
Wer der Gewinner des Abends war ist schnell gesagt: Müller Thurgau eine unterschätzte Rebsorte, die immer mehr Winzer als Spitzengewächse für sich entdecken. Dem Müller sagt man nach, dass er leicht zugänglich sei, schlank daher kommt und schnell wieder verschwunden ist. Beim Winzerhof Stahl trifft dies definitiv nicht zu. Die Weine sind spritzig frisch und auf den ersten Schluck nicht sofort als Müller Thurgau erkennbar. Ihr Gerüst ist straff, Restsüße und Säure sind gut ausbalanciert und manche haben mich schon in der Nase eher an einen Riesling oder Sauvignon Blanc erinnert als an einen Müller Thurgau.
Typische Müller Thurgau Vertreter, wie ich sie erwartet hätte, waren eher die Weine vom Juluisspital, zur Schwane, Achkarren und Lemler. Man muss aber für sich entscheiden, was man gerne möchte: Einen leichten zugänglichen Wein oder einen interessanten rassigen Müller Thurgau wie einen Pawis, einen Haas oder der Fürst. Für mich komplett aus der Reihe tanzt der Müller vom Weingut Schwarz aus Sachsen. Der Kellermeister vom Schloss Poschwitz treibt ein Spiel auf Messers Schneide mit Holznoten und gelben Früchten, wie man es sonst nur von einem Chardonnay kennt. Die Meinungen zu diesem Wein waren geteilt, mir hat er auf jeden Fall sehr gut geschmeckt.